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200 Knarren im Test: Prüfung der Dauerfestigkeit

"Knarren, so genannte Ratschen, und ihre Dauerfestigkeit standen im Mittelpunkt der geplanten Untersuchungen", so die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e.V. (FGW). Knarren haben eine umfangreiche Normung erfahren. Im Jahr 1996 ist erstmalig eine Dauerprüfung in eine Norm (ISO 3315) für diese Werkzeuge aufgenommen worden: Relevantes, praxisnahes Wissen über Werkzeug-Standzeiten sollen Dauerversuche liefern.

Christian Pelshenke, stellvertretender Institusleiter, führt Chefredakteur Jörg Stimpfig durch das Institut für Werkzeugforschung und Werkstoffe der FGW.


Christian Pelshenke, stell- vertretender Institusleiter, führt Chefredakteur Jörg Stimpfig durch das Institut für Werkzeugforschung und Werkstoffe der FGW.

"Systematische und zuverlässige Erkenntnisse über die Dauerfestigkeit der auf dem Markt verfügbaren Knarren lagen bisher nicht vor", sind sich die FGW-Techniker sicher: "Systematische und zuverlässige Prüfeinrichtungen zur Bewertung der Dauerfestigkeit von Knarren waren und sind auf dem Markt nicht als Standardangebot verfügbar." Zwei klare Zielsetzungen hatten sich somit für das, vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderte, Prüf-Projekt ergeben. Doch was sind das überhaupt für Werkzeuge, die da ihrer Dauerprüfung harrten?

Vorteile der Knarren

Knarren oder Drehmomentschlüssel sind bekanntlich handbetriebene Werkzeuge, mit denen ein genau definierbares Drehmoment auf ein Werkstück ausgeübt werden kann. Hohe, kraft sparende Arbeits-geschwindigkeiten können die Knarren mittels des mechanischen Antriebes erreichen, erklärt die FGW. Auch enge, schwerzugängliche Stellen sollen durch eine geeignete geometrische Gestaltung spielend erreicht werden. Die universelle Nutzbarkeit ist für die Werkzeug-Analysten der absolute Knarren-Vorteil: "Das wird deutlich an der Nutzung eines Antriebsteils mit vielen, verschiedenen Einsätzen (wie Bits oder Nüssen) und mit verschiedenen Formen der Koppelstelle (Schlitz, Kreuzschlitz, Sechskant und Vierkant)", hebt die Forschungsgemeinschaft hervor.


Diplom-Physiker Pelshenke bei der Zangenprüfung.


Diplom-Physiker Pelshenke bei der Zangenprüfung.

Fotos: F. Dirr, werkzeugforum.de

Zwei klare Ziele

Die Ziele des Forschungsvorhabens AiF FV-Nr. 11704 N waren klar formuliert: Zum einen galt es die Konzeptionierung, die Entwicklung und den Bau einer Versuchseinrichtung zur Dauerprüfung von Knarren (gemäß ISO 3315) in die Tat umzusetzen. Danach sollte das zweite Zahnrad im Forschungs-Getriebe die wissenschaftliche Untersuchung zum Langzeitverhalten der Knarren unter praxisnahen Einsatzbedingungen sein: handbetätigte Schraub-Werkzeuge sollten auf ihre Dauerfestigkeit hin untersucht und Ausfallursachen entlarvt sowie Vorschläge zur Produktverbesserung gemacht werden.


Hier wurden die Knarren getestet - Christian Pelshenke in Test- und Prüfungsräumen des Instituts für Werkzeugforschung und Werkstoffe.


Hier wurden die Knarren getestet - Christian Pelshenke in den Test- und Prüfungsräumen des Instituts für Werkzeug- Forschung und Werkstoffe.

200 Knarren im Dauertest

"An über 200 Knarren verschiedener Größe, verschiedener Hersteller und Marktanbieter sowie unterschiedlicher Konstruktionsarten haben wir die geforderten Dauer- prüfungen durchgeführt", bestätigen die FGW-Ingenieure. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Prüfungen wurde innerhalb des projektbegleitenden Ausschusses, in dem sechs namhafte Hersteller von Knarren vertreten waren, ein erweitertes und modifiziertes Prüfprogramm abgesprochen. Die Forschungsstelle setzte die Neuerungen um.

Individuelle Ausfallursachen konnten durch das neue Prüfverfahren systematisch erfasst und analysiert werden. Aufgezeigte Verbesserungspotenziale hat die Industrie schon direkt umgesetzt. So stellte sich also eine Wechselseitigkeit des Testes ein: Die erarbeiteten Ergebnisse konnten noch während der Projektlaufzeit auf ihre Tauglichkeit hin überprüft werden.


Handwerkzeug-Sammlung im Institut für Werkzeugforschung und Werkstoffe.


Handwerkzeug-Sammlung im Institut für Werkzeugforschung und Werkstoffe.

Industrie fordert: "Mehr Schraub-Werkzeug-Tests!"

"Die Relevanz von praxisnahen Dauerversuchen ist offensichtlich", sind sich die Remscheider Werkzeug-Tester sicher. Aus diesem Prüf-Vorhaben heraus seien die Forderungen der Industrie nach weitergehenden Dauerversuchen an Schraubwerkzeugen und deren Zusatzteilen forciert worden. Einen einschneidenden und zeitgerechten Impuls in Richtung Dauerfestigkeit soll die Industrie der handbetätigten Schraubwerkzeuge damit erstrebt haben.

Test-Ergebnisse

"Was wir aus dieser Prüfung an Erkenntnissen gewinnen lässt sich branchenweit anwenden", freuen sich die FGW-Tester. Ein Warenwert von fast 100 Millionen Euro werde in den amtlichen Produktionsstatistiken des Statistischen Bundesamts für auswechselbare Steckschlüsseleinsätze angegeben. Auch wenn „Knarren“ nur einen Teil dieser Werkzeuge darstellen, zeigen diese Zahlen deutlich die Bedeutung der gesamten Produktgruppe.

Arbeitsplätze sichern - Qualität fordern

"In überwiegendem Maße werden unsere Test-Kandidaten in mittelständischen Unternehmen der deutschen Werkzeug-Industrie gefertigt", resümieren die Remscheider. Eine Qualitätssteigerung des Produktes „Knarren“ führe zu einer Verbesserung der Markt- und Wettbewerbssituation dieses Industriezweiges, der unter starkem Preisdruck - oft minderwertiger meist außereuropäischer - Produkte stehe. "So werden schlichtweg Arbeitsplätze in dieser Branche gesichert!", führt die Forschungsgemeinschaft weiter aus.

Die teilweise bereits umgesetzte Produktverbesserung dienen eindeutig zur Verlängerung der Standzeiten und verhindern darüber hinaus mögliche Schadensfälle. Die Sicherheit bei der Arbeit mit Knarren sei daher entscheidend erhöht worden. Die Langfassungen der Arbeiten und Abschlußberichte können bei der FGW angefordert werden.

P. Richter - 2006 (S)

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