Arbeiten ohne Spaltkeil - in vielen deutschen Werkstätten gehört dies zum Alltag. Handkreissägen lassen sich so bequemer und vielseitiger verwenden. In der Normung ist der Spaltkeil aber als wichtiger Teil des europäischen Sicherheitsstandards vorgesehen. Der Herrsteller Mafell hat sich dazu bereits den Flippkeil "einfallen" lassen. Die Schaltkupplung, entwickelt an der Universität Stuttgart am Institut für Werkzeugmaschinen, soll den Keil nun verbannen und trotzdem grössere Sicherheit bieten.
Versuchsanordnung eines Tests der Sägeblatt-Geometrie am Institut für Werkzeugmaschinen der Universität Stuttgart.
Spaltkeil verhindert einklemmen und Rückschlag
Der Spaltkeil sei bislang der einzige sichere Rückschlagschutz, so Prof. Dr.-Ing. Johannes Tröger, Leiter der Arbeitsgruppe und des Bereichs Holzbearbeitung. Demontiert der Anwender den Spaltkeil, führe dies zu einer dramatischen Erhöhung der Unfallgefahr, erläutert Tröger und belegt dies mit eindrucksvollen Videoaufnahmen seiner Experimente. Die Mafell AG aus Oberndorf bietet dem Handwerker die Lösung über den Flippkeil, der schon einigen Komfort für den Anwender bietet.
Ist der Rückschlag eingetreten wird die Säge kaum kontrollierbar - das zeigten zahlreiche Versuche von Prof. Dr. Johannes Tröger.
Das Einhaken des Sägeblattes und das seitliche Festklemmen sind die Auslöser eines Rückschlags, wie aus der Veröffentlichung Trögers hervorgeht. Dabei geschehe, vereinfacht dargestellt, folgendes: Kraftübertragung von der Maschine auf das Sägeblatt und das Werkstück sind der normale Weg. Plötzliches Abbremsen des Sägeblattes durch Festklemmen oder Einhaken drehe diese Kraft um: sie richte sich nun gegen den Benutzer. Die Maschine wird dadurch schwer kontrollierbar und stellt besonders für den Unerfahrenen ein großes Verletzungsrisiko dar.
Teil der Schaltkupplung, die den Rückschlag verhindert.
Schaltkupplung verhindert Rückschlag
Die neue Schaltkupplung sei nun für die Kraftübertragung zwischen Motor und Sägeblatt zuständig. Ein plötzlicher Kraftanstieg führe zur Aktivierung der Kupplung, erklärt Tröger in seinem Bericht. Die Kraftübertragung werde unterbrochen, ein Rückschlag könne nicht mehr auftreten, so der Experte.
Rückschlagarme Sägeblätter seien das zweite Standbein der neuen Technik. Diese könnten in Handkreissägen aber auch in Durchlaufmaschinen eingebaut werden. Eine neue Geometrie verhindere das Einhaken in das Werkstück. So komme es nur selten zu einer Arbeitsunterbrechung durch die Schaltkupplung, versichert Tröger.
Neue Sägezahngeometrie verhindert das Festhaken im Werkstück.
Fotos: Universität Stuttgart
Einführung der Schaltkupplung wünschenswert
Eine möglichst schnelle Umsetzung der neuen Technik in der Praxis sei wünschenswert, kommentiert der Wissenschaftler. Die Schaltkupplung ersetze den Spaltkeil ohne dessen Nachteile. Bis zur Einführung der Schaltkupplung sei jedoch der Spaltkeil unabdingbar, um die Sicherheit der Anwender zu garantieren, mahnt Prof. Johannes Tröger am Schluss seiner Abhandlung. Bislang stellt der Flippkeil von Mafell, welcher selbsttätig in den Sägeschutz einschwenkt, den besten Kompromiß dar - ein Ausbauen diese Keils zur bequemeren und vielseitigeren Handhabung ist nicht nötig.