„Die Krise als Sprungbrett nutzen“ sowie „Mit Motivation und Wissen zum Erfolg“ und „Kreditfähigkeit entscheidet über sein und nicht sein“ waren nur drei von zwölf Haupt-Themen beim BusinessForum Mittelstand in Baden-Baden. Wer immer der Einladung ins Kongresshaus der Kultur- und Kurstadt zwischen Rheintal und Schwarzwaldhöhen nicht gefolgt war versäumte viel. Die Moderation der Veranstaltung hatte Dietrich J. Gruber.
Professor André Bapst: Das Denken und Verhalten in Frage stellen.
Fotos: Jörg Stimpfig,
werkzeugforum.de
Wissen, worauf es für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) derzeit ankommt, darum ging es beim BusinessForum Mittelstand. Dabei drehte sich alles um praktisches Know-how und wichtige Kompetenzen für Zukunftsbewusste Unternehmen. Referenten waren unter anderen Professor André Bapst aus St. Gallen und Professor Edgar H. Tritschler aus Stuttgart. Professor Bapst referierte zum Thema „Lernen als Management-Aufgabe“, Professor Tritschler zog mit seinem Vortrag „Unternehmens-Finanzierung in KMU“ die Zuhörer und Diskutanten in seinen Bann.
Lösungen statt Geplauder
Dialog und Begegnung mit Gleichgesinnten und Experten war überhaupt der Schwerpunkt in den drei Tagen im Kongresszentrum der Stadt an der Oos. Den Stoff zu angeregten und anregenden Diskussionen lieferten nicht nur die Referenten, sondern auch die Mittelständler selbst. Dabei wurden Lösungsmöglichkeiten für anstehende Aufgaben diskutiert. Und natürlich fiel auch das Stichwort „Basel II“. Dazu passte der Vortrag „Kreditfähigkeit“ von Professor Tritschler glänzend.
Professor Bapst (ganz rechts) mit Teilnehmern in angeregter Diskussion.
Die Hausbank informieren
Was ist in Sachen Finanzierung zu tun? „Die kreditnehmenden Unternehmen müssen ihren Banken im Einzelnen darlegen, welches Risiko sie darstellen“, betonte der Stuttgarter Professor. Dass dies mit der Vorlage von Bilanz, GuV-Rechnung und BWA nicht mehr getan ist, wissen viele Unternehmer bereits. Mit der Dokumentation und Übermittlung der „qualitativen Ratingkriterien“ - Unternehmensstatus und Perspektiven, erweiterte wirtschaftliche Verhältnisse, Management, Markt und Branche - stünden aber viele Unternehmen „auf Kriegsfuß“. Dabei darf der Kreditsachbearbeiter nur noch ratingwirksam zur Kenntnis nehmen, was ihm schriftlich dargelegt ist und eine Plausibilitäts-Prüfung übersteht, erklärte Edgar Tritschler. Er beruhigte die Unternehmer im Saal jedoch:
RA Markus Nessler (MBA), Esslingen /N., betont: Wer die Probleme seiner Kunden löst, kann seinen eigenen Erfolg nicht verhindern.
Eigenen Report erstellen
„Die ganze Prozedur hört sich schwieriger an als sie ist“, schmunzelte er auf dem Podium. Mit einem qualifizierten „Rating-Report“ seien die meisten Fragen der Hausbank beantwortet. Mehr als ungeschickt sei es insbesondere, wenn Unternehmer bei mehreren Banken Konten unterhielten und ihre Daten nicht offen legten. Änderungs- oder Ergänzungs-Mitteilungen zum eigenen „Rating-Report“ sollten den Infostand der Banken aktualisieren. Wenn manche Unternehmen für die Betriebsanalyse des ersten „Rating-Reports“ oft auch die Hilfe eines Beraters in Anspruch nehmen müssten - meist ein bis drei Beratertage -, so lohne sich dies oft schon unmittelbar nach Reportvorlage.
Andreas R. Fischer (li), der Veranstalter des Forums für den Mittelstand, in einer Diskussion mit Beteiligten.
Zinsersparnis für Unternehmer
Die Banken können die Risikolage nach einem Report schlüssig nachvollziehen und belohnen die „Musterknaben“ unter ihren Kunden oft mit erheblichen Zinszugeständnissen. „Dass der Unternehmer mit klaren Zusagen seiner Bank auch wieder ruhiger schlafen kann, ist ein positiver Nebeneffekt, der nicht zu unterschätzen ist“, unterstrich Professor Tritschler. Ergo: Betriebsinhabern ist der freiwillige Gang zur Hausbank und die Offenlegung der Geschäftsgrundlagen von Nutzen.
Professor Edgar Tritschler: Banken belohnen Eigen-Rating - Geheimnis-Krämer schaden sich selbst.
Umdenken statt stur bleiben
"Wenn sie nur das tun, was sie schon immer getan haben, dann werden sie auch nur das bekommen, was sie schon immer bekommen haben," gab Professor André Bapst in seinem Vortrag „Mit Motivation und Wissen zum Erfolg“ zu verstehen. Dieser Vortrag löste besonders intensive Diskussionen im Anschluss aus, denen sich der Schweizer Professor im Foyer gerne und ausführlich stellte. „Anerkannte Wissenschaftler sprechen davon, dass wir im so genannten ‚Informationszeitalter’ leben, welches sich dadurch auszeichnet, dass sich das gesamte Wissen der Menschheit alle fünf bis sieben Jahre verdoppelt“, betonte Bapst.
Wissen aktualisieren ist ein Muss
Dietrich J. Gruber fungierte als Moderator sowie Organisator und erhielt dafür viel Anerkennung.
Was wir heute lernen und lehren, wird in zehn Jahren nur noch ein Bruchteil dessen sein, was wir tatsächlich benötigen. Klar ist damit: Wer seinen Wissensstand nicht konstant aktualisiert, wird zwangsläufig zurückfallen. Das gilt ganz besonders für Inhaber und Führungskräfte in Kleinen und Mittleren Unternehmen, denn im Unternehmeralltag spielt aktuelles Wissen über Märkte, Branchen, Produkte und Kunden die entscheidende Rolle, wenn es um den Fortbestand und Erfolg eines Unternehmens geht. André Bapst regte an Hand von zehn Fragen und der Diskussion der Antworten an, sich mit aktuellen Ergebnissen der Psychologie und Neurophysiologie praxisnah auseinander zu setzen. Ihm gelang es glänzend, das Publikum allgemeinverständlich auf eingefleischte Verhaltensmuster hinzuweisen, die jedem oft als Hindernisse für unternehmerische Erfolge im Weg stehen.
Markus Stolpmann (links) referierte zum Thema: "Die Krise als Sprungbrett nutzen" - Innovation beginnt zuerst im Kopf. Im Web steht mehr unter www.stolpmann.info.
Kunden-Probleme besser lösen
"Wer dauerhaft die Probleme seiner Kunden besser löst als sein Wettbewerb kann den eigenen Erfolg nicht verhindern," traf den Nagel auf den Kopf. Der Esslinger Rechtsanwalt Markus Nessler (MBA) fand mit seinem Vortrag „Absatzpotential entwickeln – gestalten des persönlichen Konjunkturhochs“ großen Anklang. Die Erkenntnis des besseren Angebots ist kein neues Erfolgsrezept, sondern eine Tatsache, die schon immer Gültigkeit in der freien Wirtschaft hatte. Was derzeit allerdings relativ neu ist, sind die sich in immer kürzeren Zyklen verändernden äußeren Bedingungen des Wirtschaftslebens - dazu gehört neben den wirtschaftspolitischen Geschehnissen auch das sich verändernde Kundenverhalten - und die aktuellen Entwicklungen auf dem europäischen Markt. Im Ergebnis heißt das: Unternehmer müssen die Kunden sowie deren Bedürfnisse und das Umfeld sehr genau kennen, um spezifische Lösungen anbieten zu können.
BusinessForum Mittelstand kommt wieder
Wiederholungen in Medien sind meist langweilig, dass das BusinessForum Mittelstand in Baden-Baden im nächsten Jahr wieder stattfindet wurde jedoch mit viel Applaus begrüßt. Wer sich über die Themen, das Drumherum, die Veranstalter und Beteiligte der Vergangenheit und Zukunft sowie über die Vorträge informieren möchte, findet unter http://www.businessforum-mittelstand.de/ die gewünschten Informationen.