Stihl und Kärcher bündeln ihre Profi-Geräte in einem Akkusystem. Das Überraschende an der Akku-Allianz: Wer bereits Stihl-AP-Akkus besitzt, soll sie künftig auch in Kärcher-Reinigungsgeräten nutzen können – und die neuen Tabless-Akkus laden mit dem passenden Ladegerät in neun Minuten auf 80 Prozent. Was das im Betriebsalltag bedeutet und wo die offenen Fragen liegen.

Das AllPro-System richtet sich unter anderem an Profis im Forst, GaLaBau und kommunalen Einsatz.
Die Akku-Allianz von Stihl und Kärcher
Stihl und Kärcher haben am 2. Juli 2026 in einer gemeinsamen Pressemitteilung eine Akku-Allianz für professionelle Anwender bekanntgegeben. Grundlage ist das von Stihl entwickelte AllPro-Akkusystem. Künftig sollen damit nicht nur die eigenen Motorgeräte, sondern auch Profi-Reinigungsgeräte von Kärcher betrieben werden können.
Der für Anwender wichtigste Punkt: Wer bereits mit dem AP-System von Stihl arbeitet, soll vorhandene AP-Akkus auch in den neuen Kärcher-Akkugeräten einsetzen können. Damit könnte ein Betrieb Akkus und Ladegeräte über mehrere Einsatzbereiche hinweg nutzen – etwa bei Grünpflege, Forstarbeiten, kommunalen Aufgaben, Reinigung oder Facility Management.
Was ändert sich für Stihl-Anwender?
Für Stihl-Kunden erweitert die Akku-Allianz vor allem den Einsatzbereich des vorhandenen AP-Systems. Die neuen AllPro-Akkus bleiben laut Hersteller mit dem bisherigen AP-System kompatibel – in beide Richtungen: Neue Akkus funktionieren in alten Geräten, alte AP-Akkus in neuen AllPro- und künftig auch Kärcher-Geräten.
Das ist für Betriebe interessant, die bereits in Stihl-Akkus investiert haben und zusätzlich Akku-Reinigungstechnik einsetzen wollen. Statt ein weiteres Akkusystem mit eigenen Ladegeräten, Ersatzakkus und Lagerhaltung aufzubauen, könnten sie ein gemeinsames System nutzen.
Die neuen Akkus sind ab 1. August 2026 über den Stihl Fachhandel erhältlich. Preise hat das Unternehmen bislang nicht genannt.

Kärcher will künftig Profi-Reinigungsgeräte mit dem ALLPRO-Akkusystem anbieten.
Was bedeutet das AllPro-Akkusystem für Kärcher-Kunden?
Für Kärcher-Kunden ist das AllPro-Akkusystem eine völlig neue Plattform. Wer bisher Geräte aus dem Kärcher Battery Universe nutzt, sollte deshalb genau hinschauen. Kärcher kündigt an, für bestehende Geräte weiterhin Service sowie Ersatzteil- und Akkuverfügbarkeit anzubieten. Ein sofortiger Systemwechsel ist damit nicht zwingend notwendig.
Der Marktstart der neuen Kärcher-Geräte und -Akkus ist für den 1. Januar 2027 geplant. Welche Gerätekategorien zum Start tatsächlich verfügbar sind, haben die Hersteller noch nicht im Detail genannt – die Rede ist allgemein von einer „breiten Palette professioneller Reinigungsgeräte“.

Die neuen Performance-Akkus im AllPro-System setzen laut Hersteller auf Tabless-Zelltechnologie.
Ein Akku für mehrere Gewerke
Die Idee hinter der Akku-Allianz ist nachvollziehbar: Viele Betriebe arbeiten längst gewerkeübergreifend. Ein GaLaBau-Betrieb nutzt Motorsensen, Blasgeräte und Kettensägen, braucht aber auch Reinigungsgeräte. Kommunale Bauhöfe, Facility-Dienstleister und Hilfsorganisationen haben ähnliche, branchenübergreifende Anforderungen.
Wenn ein Akkusystem mehrere Gerätegruppen abdeckt, bringt das Vorteile mit sich:
- weniger unterschiedliche Akkus und Ladegeräte
- einfachere Lagerung und Fahrzeugausstattung
- geringerer Abstimmungsaufwand auf Baustelle, Betriebshof oder Einsatzfahrzeug
- bessere Ausnutzung vorhandener Akkus
- mehr Flexibilität bei kurzfristigen Einsätzen
Stihl und Kärcher sprechen von mehr als 120 Geräten im AllPro-System. Neben den beiden Hauptmarken sollen weitere Partner Geräte anbieten, etwa für Forstwinden, Geräteträger oder mobile Tankstellensysteme. Hersteller und Marken wurden jedoch noch nicht genannt.
Umfrage: Welche Akkusysteme überzeugen im Alltag?
Stihl und Kärcher setzen mit AllPro auf ein gemeinsames Akkusystem. Doch wie wichtig ist Anwendern Kompatibilität wirklich? Welche 18V- und Profi-Akkusysteme haben sich im Arbeitsalltag bewährt – und wo gibt es Schwächen? werkzeugforum.de fragt nach: In unserer aktuellen Umfrage geht es um Erfahrungen mit Akkusystemen, Kaufkriterien, Kompatibilität, Laufzeit, Service und Fehlkäufe.
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Neue Akkus mit Tabless-Technik
Technisch teilt sich das AllPro-System in zwei Klassen. Die Modelle AP 20.1 und AP 30.1 nutzen bewährte Standardzellen und richten sich an Anwender, für die Schnellladen nachrangig ist. Die Performance-Akkus AP 100.0 P, AP 200.0 P, AP 300.0 P und AP 300.0 PC setzen dagegen auf Tabless-Zellen. Der AP 300.0 PC ist die Connected-Variante des AP 300.0 P und lässt sich in das digitale Flottenmanagement Stihl connected einbinden.
Bei Tabless-Zellen fließt der Strom nicht über eine einzelne Kontaktstelle („Tab“), sondern wird über die gesamte Elektrodenfläche abgeführt. Das senkt den Innenwiderstand und reduziert die Wärmeentwicklung – die Hauptursache für Zellalterung. Laut Hersteller erreicht der AP 300.0 P im Vergleich zum bisherigen AP 300 S rund 60 Prozent mehr Spitzenleistung, 20 Prozent mehr Laufzeit, halbierte Ladezeit und bis zu 3.000 Ladezyklen ohne Leistungseinbußen. Die Tabless-Modelle sind zudem nach IPX5 gegen Strahlwasser geschützt – das bisherige AP-System war nur nach IPX4 (Spritzwasser) zertifiziert.
Diese Angaben bleiben Herstellerangaben. Für die Praxis zählen am Ende Belastung unter Dauerlast, Ladeverhalten bei Hitze und Kälte, Robustheit im Außeneinsatz sowie die Kosten pro Akku.
Übersicht der neuen AP-Akkus (AllPro-System)
Vorbemerkung: Alle AllPro-Akkus arbeiten mit einer Nennspannung von 36 Volt (Ladeschluss-Spitzenwert: 40 Volt, daher das Label „40V MAX“). Sie bleiben damit in der Spannungsklasse des bisherigen Stihl AP-Systems – die Grundlage für die volle Kompatibilität mit vorhandenen Geräten.
| Modell | Gewicht | Nennkapazität | Besonderheit | Ladegerät | Ladezeit (80%) | Preis (brutto) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| AP 20.1 | 1,3 kg | 3,90 Ah | Standardzelle, Schutzkl. IPX4 | AL 300 / AL 500 | ca. 30 Min. | 199 € |
| AP 30.1 | 1,8 kg | 7,20 Ah | Standardzelle, Schutzkl. IPX4 | AL 300 / AL 500 | ca. 35 Min. | 309 € |
| AP 100.0 P | 0,9 kg | 2,90 Ah | Tabless-Zelle / Power Boost, IPX5 | AL 1802 MO | 9 Min. | 199 € |
| AP 200.0 P | 1,4 kg | 5,80 Ah | Tabless-Zelle / Power Boost, IPX5 | AL 1802 MO | 9 Min. | 299 € |
| AP 300.0 P | 1,9 kg | 8,70 Ah | Tabless-Zelle / Power Boost, IPX5 | AL 1802 MO | 9 Min. | 399 € |
| AP 300.0 PC | 1,9 kg | 8,70 Ah | Tabless-Zelle / Power Boost, IPX5 Stihl connected (Flottenvernetzung) |
AL 1802 MO | 9 Min. | 429 € |
Zum Energiegehalt: Er ergibt sich aus Nennspannung mal Nennkapazität (Wh = V × Ah). Stihl gibt für die Akkus 111 Wh (AP 20.1 / AP 100.0 P), 222 Wh (AP 30.1 / AP 200.0 P) und 333 Wh (AP 300.0 P / PC) an. Je höher der Energiegehalt, desto länger die Laufzeit – bei entsprechend höherem Gewicht.
Schnellladen in neun Minuten – mit Einschränkung
Die kurze Ladezeit ist an das neue mobile Schnellladegerät AL 1802 MO (1.800 Watt) gebunden: Damit sind die Tabless-Akkus laut Stihl in neun Minuten wieder zu 80 Prozent geladen – laut Fachhandelsangaben allerdings nur bei Akkutemperaturen zwischen 25 und 40 °C. In Verbindung mit der Powerstation PS 2000 funktioniert das Schnellladen auch ohne Netzanschluss, etwa im Forst oder auf großen Außenflächen. Damit lässt sich ein Akku laden, während mit dem zweiten weitergearbeitet wird. Ältere Ladegeräte laden die neuen Akkus ebenfalls, aber deutlich langsamer.
Worauf Profis achten sollten
Vor einer Umstellung auf AllPro lohnt ein nüchterner Blick auf den eigenen Gerätepark. Entscheidend sind nicht nur technische Daten, sondern der tägliche Ablauf.
Wichtig sind vor allem diese Fragen:
- Welche vorhandenen AP-Akkus lassen sich weiter nutzen?
- Welche Kärcher-Geräte kommen zum Start wirklich auf den Markt?
- Wie teuer sind Akkus, Ladegeräte und Ersatzakkus?
- Reicht die Ladeinfrastruktur für mehrere Gewerke im Parallelbetrieb – und lohnt das AL 1802 MO?
- Wie lange bleiben ältere Kärcher-Battery-Universe-Geräte wirtschaftlich nutzbar?
- Welche Service- und Ersatzteilwege bietet der Fachhandel?
Gerade größere Betriebe sollten außerdem prüfen, ob ein einheitliches Akkusystem wirklich Kosten spart oder ob mehrere spezialisierte Systeme weiterhin sinnvoller bleiben.
Fazit
Die Akku-Allianz von Stihl und Kärcher kann für Profis interessant werden, weil sie Geräte für Grünpflege, Forst und Reinigung in ein gemeinsames Akkusystem bringt. Besonders Stihl-AP-Nutzer profitieren, falls die angekündigte Kompatibilität im Alltag sauber funktioniert – ihre vorhandenen Akkus behalten ihren Wert und gewinnen neue Einsatzfelder dazu. Entscheidend bleiben Preis, verfügbare Geräte, Ladeinfrastruktur und Praxistauglichkeit.
Fotos: Stihl, Kärcher
