BILD hat 12V-Akkuschrauber für Heimwerker getestet – und auf dem Siegertreppchen stehen ausgerechnet Geräte der drei Profi-Marken Metabo, DeWalt und Makita. Wie kann das sein?
Metabo vor DeWalt und Makita
Der aktuelle BILD-Kaufberater nimmt Akkuschrauber bis 200 Euro unter die Lupe. Testsieger mit der Note 1,7 ist der Metabo PowerMaxx BS 12. Dahinter folgen der DeWalt DCD701D2 mit der Note 1,9 und der Makita DF333DSAE mit 2,2. Den Preistipp sichert sich der Einhell TE-CD 12/1 Li mit der Note 2,3.
Das Ergebnis hat durchaus einen gewissen Charme: Gesucht wird ein Akkuschrauber für Heimwerker – und ganz oben landen drei Profi-Hersteller, deren Maschinen vor allem auch auf Baustellen, in Werkstätten und im Handwerk zu Hause sind.
Ganz überraschend ist das allerdings nicht. Gerade kompakte 12-Volt-Akku-Bohrschrauber verbinden geringes Gewicht und handliche Abmessungen mit ausreichend Leistung für viele typische Arbeiten in Haus, Werkstatt und Garten – typisches Heimwerker-Terrain, also.
Großer Aufwand für den Akkuschrauber-Test
Die BILD-Redaktion hat bei der Bewertung der Geräte einen nicht unerheblichen Aufwand betrieben. Die Akkuschrauber mussten nicht nur praktische Schraubarbeiten bewältigen. Es ging auch ab ins Labor. Dort ermittelte die Redaktion Leistungswerte auf einem Messstand, den sie eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit Atesteo entwickelt hat. Dabei wurden Drehzahl und Kraft messtechnisch erfasst. Für die Ermittlung der Akkureichweite mussten Tausende Schrauben ins Holz gedreht werden. Auch Ladezeiten, Verarbeitung und Handhabung flossen in die Bewertung ein.
Wer selbst Werkzeug testet, weiß, wie unspektakulär der Alltag hinter solchen Ergebnissen aussehen kann. Schraube rein, Schraube raus – und das hundertfach. Auch wir haben schon entsprechende Testreihen durchgeführt. Spätestens nach einigen hundert Schrauben weiß man einen automatisierten Messaufbau und genügend Ersatzbits zu schätzen – und kühle Getränke.
Bei einem derart umfangreichen Unterfangen können durchaus kleine Unstimmigkeiten auftreten. So scheinen im Beitrag einzelne Modellbezeichnungen durcheinandergeraten zu sein. Vielleicht haben die Hersteller auch ihre teils kryptischen Modellbezeichnungen geändert? Jedenfalls konnten wir einige nicht eindeutig zuordnen. Das ändert allerdings nichts daran, dass BILD das eigentliche Testverfahren ausführlich beschreibt und einen erheblichen Aufwand betrieben hat, um die Geräte nicht nur anhand der Datenblätter zu beurteilen.
Auf den Lieferumfang achten
Eine wichtige Größe lässt sich allerdings kaum in einer Rangliste standardisiert abbilden: Was bekomme ich eigentlich für mein Geld?
Gerade bei Akkuwerkzeugen kann der Lieferumfang den Preis erheblich beeinflussen. Den Metabo-Schrauber gibt es beispielsweise als gut ausgestattetes Set mit 2 * 2,0Ah-Akkus und Ladegerät im Transportkoffer – aber eben auch als simpes Gerät, ohne alles, im schnöden Karton. Da lohnt es sich, genauer hinzublicken – zumal einige Händler unter der Bezeichnung Power Maxx BS auch noch kleinere, leistungsschwächere Geräte mit Stecksitz-Akkus anbieten. Da ist Vorsicht geboten! Ein Akkuschrauber für 130 Euro kann deshalb preiswerter sein als ein vermeintlich günstigeres Gerät für 90 Euro.
Beim Preisvergleich deshalb prüfen:
- Gibt es mehrere Modellvarianten mit gleicher Bezeichnung?
- Wie viele Akkus gehören zum Set?
- Welche Kapazität haben die Akkus?
- Ist ein Ladegerät enthalten – und welches?
- Gehören Koffer oder Systembox zum Lieferumfang?
- Gibt es weiteres Zubehör?
- Lassen sich die Akkus für andere Geräte des Herstellers nutzen?
Vor allem der letzte Punkt ist langfristig wichtiger als 20 oder 30 Euro Preisunterschied.
Brauchen Heimwerker Profiwerkzeug?
Bleibt die vielleicht spannendste Frage: Muss es für gelegentliche Arbeiten zu Hause tatsächlich ein Akkuschrauber einer Profimarke sein?
Unsere Antwort: Nein. Aber es kann trotzdem sinnvoll sein. Wer im Jahr zweimal ein Regal aufbaut, stellt andere Anforderungen als jemand, der regelmäßig Möbel baut, eine Terrasse verschraubt oder einen Altbau saniert.
Neben Leistung und Ergonomie gewinnt dabei ein weiterer Punkt zunehmend an Bedeutung: das Akkusystem.
Denn mit dem ersten Kauf eines Akkuwerkzeugs fällt häufig eine Entscheidung, die weit über dieses eine Gerät hinausreicht. Akkus und Ladegeräte lassen sich innerhalb eines Systems für weitere Werkzeuge nutzen. Wer später Stichsäge, Multitool, Leuchte oder Gartengerät anschafft, profitiert davon, wenn bereits passende Akkus vorhanden sind.
Deshalb ist vielen Käufern die langfristige Verfügbarkeit von Akkus besonders wichtig. Zu diesem (Zwischen-)Ergebnis kommt zumindest unsere aktuelle Umfrage, bei der wir Anwender nach den wichtigsten Eigenschaften von Akkusystemen fragen.
Welcher Akkuschrauber passt zu mir?
Wer dagegen gerade vor einer konkreten Kaufentscheidung steht, sollte sich nicht allein an einer Rangliste orientieren. Spannungsklasse, Leistung, Gewicht, Akkusystem und Einsatzgebiet müssen zusammenpassen.
Unser Werkzeugforum-Kaufberater für Akku-Bohrschrauber hilft dabei, anhand des vorgesehenen Einsatzes das passende Gerät beziehungsweise die passende Leistungsklasse zu finden.
Fazit
Dass bei einem Akkuschrauber-Test für Heimwerker ausgerechnet die Marken Metabo, DeWalt und Makita auf dem Siegertreppchen stehen, sorgt zunächst für ein Schmunzeln. Dahinter steckt jedoch eine sinnvolle Erkenntnis: Ausschlaggebend ist nicht allein der Preis. Leistung, Handhabung, Lieferumfang und vor allem das Akkusystem sind entscheidend dafür, ob ein Akkuschrauber langfristig die richtige Wahl ist. Die Tester der BILD-Redaktion haben damit Weitblick bewiesen.
Autor: Josef Schneider, Redaktion werkzeugforum.de
Fotos: Hersteller
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