Algen

Das grüne Wunder

Bäume und Sträucher aber auch Zäune und Fassaden – alles ist grün vor lauter Algen. Ein Hinweis auf eine zunehmende Umweltverschmutzung? Nein. Eben nicht. Das Gegenteil ist der Fall.


Wer zurzeit einen Spaziergang unternimmt, dem offenbart sich ein Naturwunder: Alles ist grün, und das mitten im Winter. Bäume und Sträucher, Stämme und Äste – alles immergrün durch Algenbewuchs.

Eine Entwicklung, die seit mehr als 20 Jahren in Natur und Siedlungsraum fortschreitet. Noch vor wenigen Jahren wurde solcher Algenbewuchs auf Fassaden als Skandal dargestellt, gerichtet gegen die Fassadendämmung, die man vorschnell als Ursache ausmachte. Nun zeigt uns die Natur die wirkliche Ursache: Algen erobern sich ihren natürlichen Lebensraum zurück.

Das gelingt ihnen dank Luftreinhaltung. Das für sie schädliche Schwefeldioxyd SO2 verschwindet mehr und mehr aus der Luft. Der nächste Algenwachstumsschub wird mit der Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke kommen. Algenwachstum wird durch Schwefel behindert und so verschmutzte die Industrialisierung zwar den Siedlungsraum mit der „Rauchplage“, die Veralgung von Dächern und Fassaden verschwand jedoch für ein Jahrhundert.

Durch die heute bessere Luftqualität müssen wir uns an veralgte Häuser, Verkehrsschilder und Gehwege gewöhnen oder immer wieder Aufwand treiben, um sie algenfrei zu halten. Die Hersteller von Dachziegeln bieten bereits Ziegel mit photokatalytischer Ausstattung. Die Putzhersteller haben dieses ungiftige Prinzip ebenfalls im Programm, setzen aber auch auf kostengünstigere Methoden, wie Putze mit schneller Abtrocknung der Oberfläche.

Da wir nicht die gesamte Natur algenfrei halten können, werden wir uns an diesen ältesten Erdenbewohner gewöhnen müssen. Wir sollten die Alge ehren, denn sie brachte in grauer Vorzeit den Sauerstoff in die Atmosphäre, der die Entwicklung menschlichen Lebens erst ermöglichte.
Autor: Werner Eicke-Hennig, Energieinstitut Hessen

1 Kommentar

  1. Edi Antworten

    Ist doch toll. Da zeigt sich wieder einmal, die Natur geht ihren Weg. Freue mich schon drauf, wenn die letzten Kohle-Dreckschleudern endlich abgeschaltet werden. Ob ich, Jahrgang 62, das noch erlebe?

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