Du möchtest ein paar Löcher in Edelstahl bohren, aber nach nur zwei Bohrungen ist der Bohrer stumpf, blau angelaufen oder sogar abgebrochen? Falls es dich beruhigt: Das liegt nicht an dir, sondern am falschen Werkzeug. Konkret: am falschen Bohrer. In diesem Beitrag verraten die Spezialisten von RUKO, welcher Bohrer für Edelstahl am besten geeignet ist.
Was ist Edelstahl?
Edelstahl ist ein metallischer Werkstoff, der sich durch seinen besonderen Reinheitsgrad auszeichnet. Es gibt legierten und unlegierten Edelstahl, doch nur die legierte Variante ist auch rostfrei.
Legierter, rostfreier Stahl ist mit Legierungselementen wie Titan, Niob oder Chrom angereichert. Chrom (Cr) bewirkt die Korrosionsbeständigkeit von Edelstahl.
Merke: Der Begriff Edelstahl wird meist als Synonym für rostfreien Stahl verwendet.
Warum lässt sich in Edelstahl so schlecht bohren?
Edelstahl ist ein sehr harter Werkstoff und damit schwer zu zerspanen. Ein zu weicher Bohrer würde sofort ausglühen. Selbst HSS-Bohrer verlieren schnell ihre Härte, beginnen zu schmieren und werden stumpf. Mehr Druck oder höhere Drehzahl verschärfen das Problem oft noch. Das typische Ergebnis: blau angelaufene Bohrer, schlechte Spanbildung und kaum Bohrfortschritt.
HSS steht für High Speed Steel (Hochleistungs-Schnellarbeitsstahl). Dieser Werkzeugstahl behält seine Härte auch bei hohen Temperaturen, wie sie beim Bohren und Zerspanen von Baustahl entstehen. HSS-Bohrer sind also für Metalle ideal, stoßen jedoch beim Bohren in Edelstahl an Grenzen.
Welcher Bohrer ist für Edelstahl geeignet?
Weil Edelstahl so extrem hart ist, sind Bohrer aus Speziallegierungen wie HSS-Co 5 und HSS-Co 8 zu empfehlen. Beide Werkstoffe gelten als besonders leistungsfähig und damit ideal für die Bearbeitung von Edelstahl.
HSS-Co 5: Der robuste Allrounder
Der Zusatz Co 5 bedeutet einen Kobaltanteil von 5 %. Das sorgt für eine ausgewogene Kombination aus Härte und Zähigkeit.
Typische Eigenschaften von HSS-Co 5:
- Hohe Warmhärte (über 600 °C formstabil)
- Gute Zähigkeit → geringere Bruchgefahr
- Saubere Bohrungen mit wenig Grat
- Deutlich längere Standzeit als Standard-HSS
Geeignet für:
- Edelstahl und VA-Stähle (= rostfreie Edelstähle)
- Zähe Stähle bis ca. 1.100 N/mm²
- Unterbrochene Schnitte
- Hand- und Maschinenbetrieb
Praxis-Tipp: Wenn du häufig Material wechselst oder mobil ohne Kühlung arbeitest, ist HSS-Co 5 meist die sicherste Wahl.
HSS-Co 8: Für extreme Anforderungen
HSS-Co 8 enthält 8 % Kobalt. Das steigert die Warmfestigkeit nochmals deutlich, macht den Stahl aber auch spröder.
Eigenschaften von HSS-Co 8:
- Sehr hohe Warmfestigkeit (über 650 °C)
- Extrem hohe Verschleißfestigkeit
- Lange Standzeiten bei Dauerbelastung
- Geringere Zähigkeit als Co 5
Geeignet für:
- Hochlegierte und rostfreie Stähle
- Titan und schwer zerspanbare Werkstoffe
- Hohe Schnittgeschwindigkeiten
- Trockenbearbeitung oder schlechte Kühlung
| Eigenschaft | HSS-Co 5 | HSS-Co 8 |
|---|---|---|
| Kobaltanteil | 5 % | 8 % |
| Warmfestigkeit | hoch | sehr hoch |
| Zähigkeit | hoch | geringer |
| Einsatzbereich | vielseitig | sehr spezialisiert |
| Preis | moderat | höher |
Anwendungstipps für HSS-Co-Werkzeuge
Hier ein paar praktische Tipps, damit du das volle Potenzial deiner HSS-Co 5- oder HSS-Co 8-Werkzeuge ausschöpfen kannst:
- Nutze die passende Schnittgeschwindigkeit – zu langsame Schnittgeschwindigkeit führt zu Aufreiben, bist du zu schnell kann es zu Überhitzung führen.
- Kühlung einsetzen – besonders bei längeren Bohrungen in Edelstahl oder Guss. Je nach Material kann ein einziger Tropfen Schneidöl den Unterschied zwischen einem stumpfen Bohrer und einem langlebigen Werkzeug ausmachen.
- Spiralbohrer regelmäßig entgraten oder nachschärfen – so kannst du die Standzeit deines Werkzeugs verlängern
- Saubere Lagerung – Bohrer getrennt und trocken lagern, nicht lose in der Kiste (sonst kann die Beschichtung oder die Schneidkanten Schaden nehmen).
- Verwende Zentrierbohrer bei glatten Oberflächen vorab, um ein Abrutschen zu verhindern.
Mit der richtigen Kombination aus Bohrgeschwindigkeit, Kühlung und Werkzeugauswahl lassen sich Lebensdauer und Ergebnis deutlich verbessern.
Nachhaltigkeit & Wirtschaftlichkeit
HSS-Co-Bohrer kosten mehr – rechnen sich aber schnell:
- längere Standzeit → weniger Nachkauf
- gut nachschärfbar → mehrfach nutzbar
- weniger Werkzeugwechsel → effizienteres Arbeiten
Gerade im professionellen Einsatz zahlt sich Qualität hier aus.
Passendes Werkzeug & Zubehör zum Bohren in Edelstahl
Mit dem richtigen Werkzeug lassen sich Edelstahl-Bohrungen sauber und materialschonend umsetzen. Diese Ausrüstung hat sich in der Praxis bewährt.
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Beschichtete HSS-Bohrer als Alternative?
Beschichtungen wie TiN (Titan-Nitrid) oder TiAlN (Titan Aluminium Nitrid) erhöhen ebenfalls die Standzeit und reduzieren Reibung. Sie sind oft eine gute Alternative, wenn:
- überwiegend un- oder niedrig legierte Stähle bearbeitet werden
- eine kostengünstigere Lösung gesucht wird
- keine extremen Temperaturen auftreten
Für regelmäßiges Bohren in Edelstahl bleibt jedoch HSS-Co 5 meist die robustere Wahl.
| Eigenschaft | TiN | TiCN | TiAlN | AlTiN | RUnaTEC |
|---|---|---|---|---|---|
| Standzeiterhöhung* | 3–4-fach | 4–5-fach | bis 10-fach | bis 14-fach | bis 16-fach |
| Schnittgeschwindigkeit | normal | hoch / variabel | hoch | sehr hoch | sehr hoch |
| Anwendung | Stahl bis 900 N/mm² | Stahl bis 1.300 N/mm², Edelstahl |
Stahl bis 1.100 N/mm², Edelstahl |
Stahl bis 1.300 N/mm², Edelstahl |
Stahl bis 1.300 N/mm², Edelstahl |
| Kühlung | empfehlenswert | empfehlenswert / nötig | nicht zwingend | nicht zwingend | nicht zwingend |
| Nanohärte | 24 GPa | 32 GPa | 35 GPa | 38 GPa | 45 GPa |
| Schichtdicke | 1–7 µm | 1–4 µm | 1–4 µm | 1–4 µm | 1–4 µm |
| Reibungskoeffizient | 0,55 µ | 0,2 µ | 0,5 µ | 0,7 µ | 0,45 µ |
| Max. Anwendungstemperatur | 600 °C | 400 °C | 800 °C | 900 °C | 1.200 °C |
* Im Vergleich zu unbeschichteten Werkzeugen
Redaktionelle Kurz-Einordnung
- TiN: günstig, solide für einfache Stähle
- TiCN: härter und verschleißfester als TiN, aber hitzeempfindlicher
- TiAlN: bewährter Standard für Edelstahl
- AlTiN: für sehr harte Werkstoffe und hohe Temperaturen
- RUnaTEC: höchste Leistungsreserven bei Standzeit, Temperatur und Schnittgeschwindigkeit
Fazit
Edelstahl lässt sich zuverlässig bohren – wenn Werkzeug, Drehzahl und Kühlung zusammenpassen. In der Praxis ist HSS-Co 5 für die meisten Anwendungen die richtige Wahl. Für Spezialanwendungen in der Industrie und mit Stationärmaschinen greifen Profis mitunter auch auf die noch härtere HSS-Co 8 Variante zurück.
Weitere Informationen
Das technische Hintergrundwissen zu diesem Beitrag über HSS-Co-Bohrer stammt von RUKO. Wer tiefer in die Unterschiede zwischen HSS-Co 5 und HSS-Co 8 einsteigen möchte, findet in einem ausführlichen Know-how-Beitrag zum Bohren in Edelstahl alle Details.
