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Konjunkturbarometer Handwerk: Ein Kommentar

Das Handwerk trägt, die Politik hält es zum Narren

Konjunkturbarometer Handwerk

Das Handwerk steht Anfang 2026 nicht am Abgrund. Ein Aufschwung ist jedoch auch nicht in Sicht. Es steht auf der Bremse. Und das nicht, weil es nicht will, sondern weil es nicht kann. Symptomatisch hierfür ist der aktuelle Konjunkturbericht des baden-württembergischen Handwerks, der ein Bild von Zurückhaltung, Unsicherheit und vorsichtiger Hoffnung zeichnet. Ein Kommentar.

Mehr als die Hälfte der Betriebe rechnet mit einem „Weiter so“, während mehr als ein Viertel sogar mit einer Verschlechterung der Geschäftslage rechnet. Optimisten bleiben somit die Minderheit. Dies ist jedoch kein Ausdruck von Pessimismus, sondern von Realismus. Viele Betriebe haben sich durch wirtschaftlich schwierige Jahre gearbeitet und wissen, dass Stabilität allein nicht reicht, wenn die Perspektive fehlt.

Hoffnung ersetzt keine Aufträge

Ja, im Bauhauptgewerbe hellt sich die Stimmung leicht auf. Der Anteil der Optimisten hat sich nahezu verdoppelt. Doch selbst der Konjunkturbericht benennt die Ursache klar: Es ist die Hoffnung auf anziehende Baugenehmigungen und nicht auf bereits gefüllte Auftragsbücher.

  • Hoffnung ist kein Geschäftsmodell.
  • Baugenehmigungen sind noch keine Baustellen.
  • Politische Ankündigungen ersetzen keine verlässlichen Rahmenbedingungen.

Ein erwartetes Umsatzplus von rund einem Prozent im Jahr 2026 mag nach Erholung klingen. Bei einer Inflation von derzeit rund zwei Prozent bedeutet es für viele Betriebe jedoch bestenfalls Stillstand. Kosten, Bürokratie und Investitionshemmnisse sind damit nicht vom Tisch. Rücklagen sind angegriffen, Investitionen werden verschoben und Nachfolgen vertagt.

Durchhalten als Dauerzustand?

Die Schieflage wird besonders deutlich, wenn man einen Blick auf die Bereiche Beschäftigung und Ausbildung wirft. Trotz schwacher Perspektiven sichern die Betriebe Arbeitsplätze und bilden weiter aus. Das ist gesellschaftlich unverzichtbar, betriebswirtschaftlich jedoch riskant, wenn das Durchhalten zum Dauerzustand wird.

Damit aus vorsichtigem Optimismus echte Zuversicht wird, muss die Politik liefern.Konjunkturbericht Handwerk-BW

Politische Unklarheit lähmt Märkte

Sei es beim Heizungsgesetz, beim Wohnungsbau oder bei Förderprogrammen: Betriebe erleben immer wieder politische Ankündigungen ohne klare Umsetzung. Gesetze werden angekündigt, infrage gestellt oder vertagt. Für Kunden bedeutet das: Sie müssen abwarten. Für Handwerksbetriebe bedeutet es, dass Aufträge sich verzögern oder ausbleiben.

Diese Unsicherheit ist kein Randphänomen. Sie wirkt sich direkt auf die Werkstätten, die Baustellen und die Auftragsbücher aus.

Das Handwerk hat geliefert

Der Konjunkturbericht zeigt eindeutig: Das Handwerk ist von großer wirtschaftlicher, sozialer und gesellschaftlicher Bedeutung. Es hält Betriebe stabil, sichert Ausbildung und Beschäftigung und bleibt verlässlich, selbst unter schwierigen Bedingungen.

Jetzt ist die Politik gefragt, ihren Teil beizutragen.

2026 könnte ein Jahr der leichten Erholung werden – oder aber ein weiteres Jahr des Abwartens.

Ob das Handwerk weiterhin trägt oder irgendwann nicht mehr kann, entscheidet sich nicht allein in den Betrieben, sondern auch in der Politik.

Aktuelle Zahlen zur Entwicklung des Handwerks finden sich im
Konjunkturbericht Handwerk BW Q4/2025

Quelle: Handwerk BW

Kommentar: Josef Schneider, redaktion24. Redaktionelle Mitarbeit und Grafik: Bruce

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