Mit einer faustdicken Überraschung endete der Akku-Schlagbohrschrauber-Test der Stiftung Warentest. Zwei günstige Einsteigermodelle ließen die arrivierte Profi-Konkurrenz hinter sich. Was bedeutet das für professionelle Anwender?
Akku-Schlagbohrschrauber
Akku-Schlagbohrschrauber gehören zur Grundausstattung im Heim- und Handwerksbereich. Sie sind mobil und vielseitig einsetzbar – vom Schrauben bei der Möbelmontage über Bohrarbeiten in Holz und Metall bis hin zum Schlagbohren in Mauerwerk. Der aktuelle Vergleich von 13 Akku-Schlagbohrschraubern durch Stiftung Warentest zeigt, dass ein höherer Preis nicht automatisch bessere Ergebnisse garantiert.
Der Test sorgte für Aufmerksamkeit: Günstige Modelle liegen vor deutlich teureren Markenwerkzeugen. Doch was bedeutet dieses Ergebnis für ambitionierte Anwender und Profis im Alltag? Wir ordnen den Test praxisnah ein und zeigen, worauf es bei der Auswahl eines Akku-Schlagbohrschraubers ankommt – reicht der Testsieger auch für den Baustelleneinsatz?
Was ist ein Akku-Schlagbohrschrauber?
Ein Akku-Schlagbohrschrauber vereint drei Funktionen in einem Gerät und eignet sich für vielseitige Arbeiten rund um Haus, Werkstatt und Baustelle.
- Schrauben: Für Holz- und Metallschrauben, auch mit höherem Drehmoment.
- Bohren: Für Holz, Metall und Kunststoffe ohne Schlagfunktion.
- Schlagbohren: Mit zusätzlicher Schlagbewegung für Mauerwerk und Bohren in Beton.
Abgrenzung: Ein Akkuschrauber kommt ohne Schlagfunktion aus und eignet sich vor allem für Montagearbeiten. Ein Bohrhammer arbeitet mit pneumatischem Schlagwerk und ist die bessere Wahl für häufiges Bohren in harten Beton.
18 Volt Akku-Schlagbohrschrauber im Test
Testergebnisse laut Stiftung Warentest (TEST 6/2025)
Testsieger
Preis-Leistungs-Sieger
Weitere getestete Akku-Schlagbohrschrauber im Überblick
Nicht im Test berücksichtigte Profi-Geräte
Der Vergleich von Stiftung Warentest bildet nicht den gesamten Markt ab. Nachfolgend sind professionelle Akku-Schlagbohrschrauber aufgeführt, die im vorliegenden Test nicht berücksichtigt wurden, im Handwerk jedoch verbreitet sind.
Testsieger: Einhell
Im vorliegenden Test von Stiftung Warentest belegt der Einhell TP-CD 18/70 Li-i BL den ersten Platz unter den geprüften Akku-Schlagbohrschraubern. Das Gerät erhielt die Gesamtnote Gut (1,8) und konnte vor allem in den Kategorien Funktion, Handhabung und Haltbarkeit überzeugen. Positiv bewertet wurden unter anderem der bürstenlose Motor, die vielseitige 3-in-1-Funktion zum Schrauben, Bohren und Schlagbohren sowie die Einbindung in das Power X-Change Akkusystem. Damit erfüllt der Testsieger die Anforderungen, die Stiftung Warentest an ein ausgewogenes Gesamtpaket stellt.
Der Einhell Professional TP-CD 18/70 Li-i BL ist ein vielseitiger Akku-Schlagbohrschrauber mit bürstenlosem Motor und 70 Nm Drehmoment. Im Test von Stiftung Warentest überzeugte das Gerät mit einem ausgewogenen Verhältnis aus Leistung, Handhabung und Ausstattung. Das 2-Gang-Getriebe, das 13-mm-Metallbohrfutter sowie die Schlagbohrfunktion machen ihn flexibel einsetzbar. Als Teil des Power-X-Change-Systems wird das Set inklusive zwei 2,0-Ah-Akkus, Ladegerät und E-Case geliefert.
Preis-Leistungssieger: Parkside
Ebenfalls bemerkenswert: Der Akku-Schlagbohrschrauber von Parkside, erhältlich bei Lidl und preislich deutlich unter vielen Markenmodellen angesiedelt, platzierte sich ebenfalls weit vorne. Damit ließ er unter anderem Geräte von Bosch (Professional), DeWalt oder Makita hinter sich. Der Parkside Akku-Schlagbohrschrauber mit 20 Volt richtet sich an Anwender, die ein einfaches und preisgünstiges Gerät für gelegentliche Arbeiten suchen. Im Test von Stiftung Warentest erzielte das Modell ein gutes Ergebnis im Verhältnis zum niedrigen Anschaffungspreis. Achtung: Bei Online-Käufen auf Lieferumfang achten!
Auffälligkeiten bei Makita und DeWalt
Im Gegensatz zum Modell DHP487 erhielt der Makita DHP489 ein negatives Gesamturteil, unter anderem, weil im Test das maximale Rückstellmoment überschritten wurde. Dies könne beim Blockieren des Bohrers zu einem erhöhten Verletzungsrisiko führen, so die Tester.
Die Abwertung des Akku-Schlagbohrschraubers von DeWalt ist auf den eingesetzten Akku zurückzuführen, der im Dauertest nicht die vorgesehenen 400 Ladezyklen erreichte.
Hartes und weiches Drehmoment – was ist der Unterschied?
Viele Hersteller geben beim Akku-Schlagbohrschrauber zwei Drehmomentwerte an: hart und weich. Beide beschreiben unterschiedliche Belastungssituationen.
- Weiches Drehmoment: Tritt beim Schrauben in nachgiebige Materialien wie Holz oder Spanplatten auf. Der Schrauber baut seine Kraft gleichmäßig auf – dieser Wert ist für den Holzbau und den Montagealltag besonders relevant.
- Hartes Drehmoment: Entsteht beim Schrauben in harte Materialien oder beim abrupten Blockieren, etwa bei Metall oder großen Schrauben. Dieser Wert liegt höher, spielt im Alltag jedoch seltener eine entscheidende Rolle.
In der Produktkommunikation wird häufig das harte Drehmoment hervorgehoben, da es einen höheren Zahlenwert liefert. Für die praktische Einschätzung der Leistungsfähigkeit ist jedoch meist das weiche Drehmoment aussagekräftiger.
Testmethodik und Kriterien
Warum die Ergebnisse für Profis nur bedingt übertragbar sind
Die Testergebnisse liefern eine gute Orientierung, lassen sich jedoch nicht in allen Punkten eins zu eins auf den professionellen Baustellenalltag übertragen.
Stiftung Warentest gilt seit Jahrzehnten als unabhängige und neutrale Instanz bei Produktvergleichen. Auch beim Test der Akku-Schlagbohrschrauber wurde nach einer klar definierten, transparenten Methodik vorgegangen. Bewertet wurden unter anderem Funktion, Handhabung, Haltbarkeit, Sicherheit und Ausstattung.
Realistisches Szenario
Im Mittelpunkt standen typische Anwendungsszenarien, wie sie für eine breite Nutzergruppe relevant sind: Schrauben, Bohren in Holz und Stahl sowie Schlagbohren in Beton oder Granit. Zusätzlich flossen ergonomische Aspekte, Ladezeiten und Akkulaufzeit in die Gesamtnote ein. Diese Kriterien bilden den Alltag vieler Heimwerker und ambitionierter Anwender realistisch ab.
Anforderungen an Profi-Geräte
Für den professionellen Einsatz gelten jedoch oft andere Maßstäbe. Auf Baustellen oder im gewerblichen Umfeld werden Akku-Schlagbohrschrauber häufig über längere Zeiträume hinweg unter hoher Last eingesetzt. Aspekte wie Dauerbelastbarkeit von Motor und Getriebe, thermische Stabilität, Robustheit des Schlagwerks sowie die Zuverlässigkeit der Sicherheitsabschaltung unter Extrembedingungen gewinnen hier deutlich an Bedeutung.
Diese Faktoren lassen sich in standardisierten Tests nur eingeschränkt abbilden, da sie stark vom individuellen Einsatzprofil abhängen. Das Ergebnis von Stiftung Warentest folgt konsequent der gewählten Testmethodik. Für Profis empfiehlt es sich jedoch, die Ergebnisse um praxisnahe Kriterien zu ergänzen und den eigenen Einsatzzweck stärker in den Vordergrund zu stellen.
Offene Fragen
Bei einzelnen Modellen von DeWalt und Makita (DHP489) weichen die Ergebnisse von Stiftung Warentest deutlich von Einschätzungen anderer Vergleichstests sowie von Nutzerbewertungen ab. Ob die im Test festgestellten Mängel auf Einzelfälle oder auf grundsätzliche Schwächen zurückzuführen sind, lässt sich anhand der veröffentlichten Testergebnisse nicht abschließend beurteilen.
Praxischeck: Wo sich Test und Profialltag unterscheiden
- Schlagbohren in Beton:
Im Test definierte Bohrungen in Beton und Granit. In der Praxis oft viele Bohrungen hintereinander, wechselnde Betonqualität und teils armierte Bauteile – meist ohne längere Abkühlphasen. - Schrauben unter Dauerlast:
Im Test kontrollierte Schraubvorgänge. Im Profialltag häufig Serienverschraubung mit langen Schrauben, hoher Kraftübertragung und dauerhaftem Einsatz. - Akkus im Systemeinsatz:
Im Test reproduzierbare Ladezyklen. In der Praxis Wechsel zwischen Maschinen, Stürze, Wärme- und Kälteeinwirkung sowie Laden unter Zeitdruck. - Sicherheitsabschaltung:
Im Test definierte Blockadesituationen. In der Praxis häufiger unvorhersehbare Verkanten, Materialwechsel oder ungünstige Bohrwinkel.
Einordnung für Profis
Akku-Systeme, Verbreitung und Einsatzprofile
Für professionelle Anwender spielen bei der Auswahl eines Akku-Schlagbohrschraubers oft andere Kriterien eine Rolle als im standardisierten Produkttest. Neben der reinen Geräteleistung sind vor allem Akkusysteme, Einsatzprofile, Marktverbreitung und die langfristige Verfügbarkeit von Zubehör und Ersatzteilen entscheidend. Wichtig für Profis sind Reparaturservice, Ersatzteilverfügbarkeit und die Reduzierung von Ausfallzeiten. Während im Heimwerkerbereich ein Gerät bei Defekt oft ersetzt wird, ist im Handwerk eine schnelle und verlässliche Instandsetzung entscheidend, um Arbeitsunterbrechungen zu vermeiden und Kosten im Griff zu behalten.
Warum Reparaturservice für Profis entscheidend ist
Im professionellen Einsatz zählen nicht nur Leistung und Ausstattung eines Akku-Schlagbohrschraubers, sondern auch der Umgang mit Defekten und Verschleiß.
- Ausfallzeiten: Ein defektes Werkzeug kann Baustellen verzögern und Folgekosten verursachen.
- Ersatzteilverfügbarkeit: Verschleißteile und Akkus sollten auch nach mehreren Jahren noch verfügbar sein.
- Reparaturdauer: Schnelle Abwicklung ist für Handwerksbetriebe oft wichtiger als ein günstiger Anschaffungspreis.
- Service-Strukturen: Werkstätten, Abholservices oder Leihgeräte können im Alltag einen Unterschied machen.
Diese Aspekte fließen in unabhängige Produkttests nur eingeschränkt ein, sind für den professionellen Dauereinsatz jedoch von hoher Relevanz.
Einordnung ausgewählter Hersteller für Profis
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AEG
AEG positioniert sich im semiprofessionellen bis professionellen Umfeld und bietet ein breites Akku-Programm für Bau-, Ausbau- und Montagearbeiten. Im aktuellen Test von Stiftung Warentest wurde die Marke nicht berücksichtigt.
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Bosch Professional
Das blaue Bosch-Professional-System gehört zu den am weitesten verbreiteten Akku-Plattformen im professionellen Umfeld. Die große Auswahl an Maschinen, die hohe Marktverfügbarkeit und die breite Akzeptanz auf Baustellen machen das System für viele Betriebe zum Standard.
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DeWalt
DeWalt ist insbesondere im Holzbau, Trockenbau und bei Montagebetrieben stark vertreten. Das 18-Volt-System ist auf leistungsintensive Anwendungen ausgelegt und bietet eine große Auswahl an Maschinen für den täglichen Baustelleneinsatz.
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Festool
Festool ist im professionellen Handwerk vor allem für Systemlösungen, Präzisionswerkzeuge und eine hohe Verarbeitungsqualität bekannt. Im Sortiment befindet sich auch ein Akku-Schlagbohrschrauber mit Viergang-Getriebe, der gezielt auf präzise Bohrarbeiten und anspruchsvolle Anwendungen ausgelegt ist und sich damit von klassischen Zwei-Gang-Modellen abhebt.
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FEIN
FEIN richtet sich mit ausgewählten Akku-Schraubern gezielt an Anwender im Metallbereich. Akku-Bohrschrauber mit Viergang-Getriebe eignen sich unter anderem für präzise Bohrarbeiten und das Gewindeschneiden. Durch die Einbindung in den AMPShare-Verbund sind Akkus aus dem Bosch-Professional-System kompatibel.
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Flex
Flex ist als Traditionshersteller professioneller Elektrowerkzeuge insbesondere im Ausbau-, Sanierungs- und Automotivbereich etabliert. Die Marke wurde im aktuellen Stiftung-Warentest-Vergleich nicht berücksichtigt.
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HiKOKI
HiKOKI bietet professionelle Elektrowerkzeuge zu vergleichsweise moderaten Preisen. Die Geräte sind funktional ausgelegt und werden häufig von Anwendern gewählt, die ein solides Profigerät ohne Premiumpreis suchen, etwa im Ausbau- oder Montagebereich.
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Hilti
Hilti richtet sich mit seinem Elektrowerkzeug- und Befestigungssystem konsequent an professionelle Anwender im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe. Der Hersteller war im vorliegenden Test von Stiftung Warentest nicht vertreten.
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Makita
Makita ist seit vielen Jahren fest im professionellen Markt etabliert. Viele Betriebe setzen auf das umfangreiche 18-Volt-System, die große Auswahl an Spezialmaschinen sowie die gute Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Zubehör. Auch bei wechselnden Testergebnissen bleibt das System für bestehende Anwender relevant.
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Metabo / CAS
Metabo hat mit dem Cordless Alliance System (CAS) ein hersteller- und markenübergreifendes Akkusystem initiiert. Dieses bietet Profis Zugriff auf eine breite Auswahl kompatibler Maschinen unterschiedlicher Hersteller und ist besonders im spezialisierten Handwerk verbreitet.
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Milwaukee
Milwaukee positioniert seine Werkzeuge konsequent für den intensiven Baustelleneinsatz. Das Markenversprechen „Heavy Duty“ richtet sich an Anwender, die ihre Maschinen unter hoher Dauerlast nutzen und Wert auf robuste Bauweise und Systemtiefe legen.
12 Volt oder 18 Volt – was ist besser?
Die Voltklasse gibt Hinweise auf Leistung, Baugröße und Einsatzbereich eines Akku-Werkzeugs. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht – entscheidend ist der Einsatzzweck. Im Test von Stiftung Warentest wurden ausschließlich 18V-Geräte getestet.
- 12 Volt: Kompakt, leicht und handlich. Ideal für Montagearbeiten, Möbelbau und Arbeiten über Kopf.
- 18 Volt: Mehr Leistung und Reserven. Geeignet für Bohren, Schlagbohren und anspruchsvollere Aufgaben.
Hinweis zu 20 Volt: Einige Hersteller sprechen von 20-Volt-Geräten. Technisch handelt es sich dabei um 18-Volt-Akkus – die höhere Angabe bezieht sich auf die maximale Leerlaufspannung und ist vor allem Marketing-Sprech.
Fazit
Der Test von Stiftung Warentest zeigt, dass auch preislich moderat angesiedelte Akku-Schlagbohrschrauber in standardisierten Prüfungen sehr gute Ergebnisse erzielen können. Der Testsieger von Einhell überzeugt durch ein ausgewogenes Gesamtpaket, während der Parkside-Schlagbohrschrauber ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.
Für den professionellen Einsatz sollten die Ergebnisse jedoch im Kontext des eigenen Arbeitsalltags betrachtet werden. Neben der reinen Testnote spielen Faktoren wie Dauerbelastung, Akkusystem, Einsatzprofil und langfristige Systemverfügbarkeit eine entscheidende Rolle. Der Test liefert damit eine solide Orientierung – ersetzt aber nicht die individuelle Auswahl nach gewerkespezifischen Anforderungen.
Autor: Josef Schneider
Quelle der Testergebnisse: Stiftung Warentest, Ausgabe 6/2025. Die vollständigen Bewertungen sind auf test.de abrufbar. Die Liste enthält sogenannte Affiliate-Links
Foto: Einhell