Montagmorgen. Der Kaffee ist noch nicht ganz durchgelaufen, da stolpern wir auch schon in die erste Falle: Wir laufen los, um etwas im Nebenraum zu erledigen, doch was war das bloß? Schwupps, vergessen!
Ob im Haushalt („Was wollte ich bloß im Keller?“), im Büro („Wieso habe ich gerade ein neues Browserfenster geöffnet?“) oder auf der Baustelle („Warum bin ich zum Transporter gelaufen?“) – solche Situtationen kennen wir alle.
Doorway Effect – Was steckt dahinter?
Psychologen nennen diesen Effekt den „Doorway Effect“, also den Türschwellen-Effekt. Er tritt vor allem beim Überschreiten einer Türschwelle auf – daher die Bezeichnung. Beim Betreten eines neuen Raumes drückt das Gehirn gewissermaßen einen imaginären Reset-Knopf. Auch wenn wir die Wohnung, das Büro oder die Baustelle verlassen, um schnell etwas zu erledigen, haben wir es oft schon vor der Tür wieder vergessen.
Und ja, selbst das Öffnen eines neuen Browserfensters kann denselben Effekt haben – plötzlich weiß man nicht mehr, warum man es eigentlich geöffnet hat.
Bevor jetzt jemand nervös wird: Dieses Phänomen hat nichts mit Demenz zu tun, sondern ist eine ganz normale Funktion unseres ansonsten genialen Gedächtnisses. Die Ursprünge dieses Effekts liegen – wie so oft – in der Evolution: Früher mussten wir jeder neuen Umgebung unsere volle Aufmerksamkeit schenken, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Bären in der Höhle, Löwen in der Savanne, Krokodile am Flussufer … Dass das Gehirn bei einer neuen Umgebung den Arbeitsspeicher leert, ist also ein uralter Instinkt.
Warum ist das praktisch?
Durch den Türschwellen-Effekt spart das Gehirn Kapazität und kann sich auf neue Aufgaben konzentrieren. Er hilft dabei, Erlebnisse klar voneinander zu trennen. Anstatt alles in einen Topf zu werfen, packt das Gehirn die Erinnerungen sauber in Episoden. Blöd nur, wenn wir dann dumm dastehen und nicht mehr wissen, was wir hier eigentlich wollten.
Gabriel Radvansky
Das Phänomen wurde besonders intensiv vom US-Psychologen Gabriel Radvansky erforscht. Im Jahr 2011 veröffentlichte er eine Reihe von Experimenten dazu. Seine Testpersonen mussten sich durch Räume bewegen und Objekte einsammeln, die sie anschließend nicht mehr sehen konnten. Immer wieder wurden sie gefragt, was sie gerade eingesammelt hatten. Das Ergebnis: Hatten sie gerade eine Türschwelle überschritten, erinnerten sie sich deutlich schlechter als innerhalb desselben Raumes. Das Spannende daran ist: Dieser Effekt trat sowohl in echten Räumen als auch in der Computersimulation auf.
Und was bedeutet das jetzt für dich?
Damit du künftig nicht wieder wie ein Volltrottel dastehst, gibt es ein paar simple Tricks: Schreib dir die Aufgabe sofort auf – klassisch auf einen Zettel oder ins Handy. Nimm etwas in die Hand, das dich daran erinnert oder mache einen Knoten ins Taschentuch. Du kannst dir auch laut vorsagen, was du vorhast: „Ich gehe raus, um den Torx-Bit zu holen.“ Das klingt banal, funktioniert aber. So ersparst du dir den peinlichen Moment, ratlos vor dem Kleintransporter oder Kühlschrank zu stehen.
Übrigens: Auch wer in den vorherigen Raum zurückgeht, hat nicht automatisch die Erinnerung zurück. Manchmal hilft erst ein Moment der Ruhe, bis der Gedanke wieder auftaucht.
Quelle: SPIEGEL, Wikipedia
Beitrag erstellt unter Mitarbeit von Bruce
Aufmacherfoto: Bruce
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