E-Bike gebraucht kaufen

E-Bike gebraucht kaufen

Wer ein E-Bike gebraucht kaufen möchte, muss auf viele Dinge achten – nicht nur auf den Preis. Praxistipps und eine Checkliste erleichtern den Gebrauchtkauf.

In vielen Fahrradläden sind E-Bikes derzeit ausverkauft oder haben lange Lieferzeiten. Der Kauf eines gebrauchten E-Bikes ist daher oft die einzige Alternative. Neben günstigeren Preisen hat dies einen weiteren Vorteil: Das E-Bike ist sofort verfügbar.

Wie viel kostet ein gebrauchtes E-Bike?

Die Knappheit an E-Bikes auf dem Markt lässt auch die Preise für Gebrauchtbikes steigen. Als Faustregel veranschlagt die Redaktion des Fahrrad-Portals velomotion.de für die ersten drei Jahre einen jährlichen Wertverlust von rund 20 Prozent. Hat ein E-Bike also vor drei Jahren 3.000 Euro (UVP) gekostet sind bei guter Pflege und fachmännischem Service nach einem Jahr 2.400 Euro, nach zwei Jahren 1.800 Euro und nach drei Jahren 1.200 Euro realistisch. Diese Faustformel diene aber nur der groben Orientierung.

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Tipps: E-Bike gebraucht kaufen

Beim Gebrauchtkauf eines E-Bikes sind zudem einige grundsätzliche Dinge zu beachten, sagt Chefredakteur Marcus Degen. Er hat dazu wertvolle Tipps zusammengestellt.

Vor dem E-Bike-Kauf

  1. Ruhig bleiben: Nicht überstürzt kaufen
  2. Schnäppchen misstrauen: Niemand hat etwas zu verschenken
  3. Checkliste erstellen: Worauf muss ich achten?
  4. Persönlicher Besichtigungstermin: Nie die Katze im Sack kaufen
  5. Probefahrt: Nur bei schönem Wetter besichtigen

Bei der Besichtigung – Grundsätzliches

  1. Erster Eindruck: Wo steht das E-Bike? Ist eine Garage vorhanden? Stand es trocken und frostsicher?
  2. Reparaturbedarf: Sollte ein E-Bike reparaturbedürftig sein ist zu bedenken, dass die Wartezeiten für einen Werkstatttermin aktuell mehrere Wochen betragen. Außerdem sind viele Ersatzteile zurzeit nicht verfügbar.
  3. Größe: Passt das Bike? Leichte Anpassungen über Sitzhöhe oder am Lenker sind möglich. Ist das Rad aber deutlich zu groß oder zu klein, Finger weg!
  4. Vorbesitzer: Geht davon aus, dass ein leidenschaftlicher Radfahrer sein Bike besser pflegt als einer, der das E-Bike nur als Fortbewegungsmittel sieht.
  5. „Scheckheftgepflegt“: Gibt es Nachweise über Service in der Fachwerkstatt? Ein gewissenhafter Besitzer geht wenigstens einmal jährlich zum Service in eine Qualitätswerkstatt und bewahrt die Dokumentationen auf.
  6. Kaufbeleg: Der Verkäufer sollte einen Nachweis über den Kauf des Bikes vorlegen. Denn E-Bikes werden oft geklaut – das kann böse enden. Im schlimmsten Fall sind Geld UND Bike weg.
  7. Vorbesitzer: Hat der Verkäufer das Rad selbst gebraucht gekauft, sollte auch das belegbar sein.
  8. Leasing-Bike: Handelt es sich um ein ehemaliges Leasing-Bike? Das kann ein Vorteil sein. Leasing-Bikes sind oft in überdurchschnittlich gutem Zustand, weil Service und Verschleiß in den Versicherungsleistungen beim Leasing enthalten sind.
  9. Markenräder: Fachhandelsmarken sollte man bevorzugen. Dies gilt sowohl für die Radmarken selbst als auch für Motor und Akku: Bosch, Shimano, Brose, Yamaha – hier ist auch für die nächsten Jahre eine gute Ersatzteillage garantiert.

Bei der Besichtigung – Checkliste

Optik

  1. Zustand: Ist das Rad gepflegt und sauber? Wer sich nicht mal für den Verkauf die Mühe macht das Rad ordentlich zu putzen hat das auch sicher vorher nicht getan.
  2. Umbauten: Im Internet lassen sich von jedem Modell Bilder des originalen Ausstattungszustandes finden. Bitte vergleichen: Hat der Vorbesitzer den Sattel gewechselt, Schutzbleche oder Gepäckträger demontiert, die Lichtanlage manipuliert?
  3. Sturzspuren: Kratzer an den Bremsgriffen, an Pedalen oder dem Schaltwerk sind die ersten Indizien, da diese immer zuerst Bodenkontakt haben.
Sturzschaden am E-Bike

Sturzschaden am E-Bike

Verschleißteile

  1. Laufleistung: Einem modernen E-Bike machen Laufleistungen von mehreren Tausend Kilometern nichts aus, wenn der Besitzer es gut pflegt und die Verschleißteile regelmäßig wechselt. Ein Bike das allerdings als Pendler-Fahrzeug genutzt wurde und deutlich fünfstellige Laufleistungen aufweist muss man besonders kritisch begutachten. Das Display zeigt die Gesamtlaufleistung eines E-Bikes an. Elektrofahrräder ohne Display, die sich über eine Smartphone-App steuern lassen, zeigen in der App sogar noch einige Informationen mehr über den Gebrauch an.
  2. Kette und Ritzel: Am E-Bike sollte man, wegen der höheren Kräfte, die Kette spätestens alle 1.500 bis 2.000 km wechseln. Sonst leiden nämlich auch die Zahnkränze (Ritzel) vor allem hinten am Hinterrad. Diese zu wechseln ist deutlich aufwändiger und teurer. Eine neue Kette kostet nur rund 20 bis 30 Euro und Vielfahrer können diese mit etwas Übung selbst wechseln.
  3. Reifen: Reifen am E-Bike verschleißen durchaus, sind aber auch schnell und meist kostengünstig und einfach selbst zu wechseln. Entsprechend sollte ein Bike zur Probefahrt auch nicht mit völlig abgefahrenen oder sogar platten Reifen negativ auffallen.
Lackschäden am Fahrrad

Solche kleinen Lackschäden am Fahrrad sind nicht schön – aber auch nicht tragisch

Funktion

  1. Gangschaltung: Läuft die Gangschaltung sauber durch alle Gänge? Bei Kettenschaltungen ist das Schaltauge (die kleine Öse, an der das hintere Schaltwerk festgeschraubt ist) eine Sollbruchstelle. Es verbiegt leicht. Vor allem wenn ein Bike auf diese Seite gefallen ist (Sturzspuren) oder der Besitzer es im Auto auf dieser Seite liegend transportiert hat. Ein Schaltauge kann der Fachmann leicht tauschen; doch ist es verbogen, wirkt sich dies negativ auf die Schaltung aus. Es lassen sich dann nicht mehr alle Gänge sauber durchschalten.
  2. Bremsen: Ein modernes E-Bike verfügt in der Regel über hydraulische Scheibenbremsen – diese sind kein Muss aber bei teureren E-Bikes eigentlich Standard. Bitte mehrere Faktoren prüfen.
    1. Lassen sich die Bremshebel bis zum Lenkergriff durchdrücken? Dann ist die Bremspower eingeschränkt und vermutlich muss ein Fachmann die Hydraulikleitungen entlüften.
    2. Machen die Bremsen ein unangenehm metallisches Schleifgeräusch? Dann sind die Beläge abgenutzt. Ein Austausch ist erforderlich. Zeigt auch die Bremsscheibe Verschleiß und kreisförmige Schleifspuren sind die Bremsbeläge schon länger „runter“. Dann sind auch die Bremsscheiben fällig (Kosten, Lieferzeit, Werkstattaufenthalt).
    3. Quietschen die Bremsen laut? Das kann sehr unangenehm und sehr laut bis ohrenbetäubend sein. Entweder sind die Bremsscheiben verschlissen oder der Bremssattel sitzt nicht ganz parallel zur Bremsscheibe. Ist kein mechanischer Fehler auszumachen kann ein Brake-Silencer Spray etwa von SwissStop Wunder wirken.
  3. Federgabel und Dämpfer: Auch City- und Trekkingbikes sind heute fast immer mit Federgabeln ausgestattet; vollgefederte Mountainbikes zusätzlich mit einem Hinterbau-Dämpfer. Auch die luftgefederten Bauteile muss man regelmäßig (in der Fachwerkstatt) warten. Bitte darauf achten, dass die Tauchrohre von Gabel und Dämpfer sauber und kratzerfrei sind. Es sollten keine Spuren von ausgetretenem Öl zu sehen sein. Natürlich müssen beide, Gabel und Dämpfer, ordnungsgemäß funktionieren und auf das Fahrergewicht anpassbar sein.
  4. Vorbau/Steuersatz: Diese müssen fest sitzen und dürfen kein Spiel zeigen. Zur Prüfung am besten die Vorderradbremse ziehen und am Lenker mit beiden Händen nach vorne und hinten wackeln. Ist ein Klackern bzw. Lagerspiel im Bereich des Lenkervorbaus (Gabelschaft) zu spüren, so ist zu analysieren, wo das Spiel herkommt und auf jeden Fall zu beheben. Dies muss kein gravierender Mangel sein, kann sich aber zu einem entwickeln und im schlimmsten Fall einen Sturz auslösen.
Federgabel am Fahrrad

Ölt die Federgabel? Dann sind möglicherweise die Simmerringe undicht.

Elektronik

  1. Einschalten: Lässt sich das Bike problemlos einschalten? Vor allem E-Bikes mit Einschalttaster am Akku können manchmal zickig sein.
  2. Display: Ein älteres Display kann Pixelfehler haben oder durch Schläge von außen schlecht oder gar nicht mehr lesbar sein, obwohl es keinerlei Beschädigung zeigt.
  3. Licht: Funktioniert die Lichtanlage fehlerfrei? Frontstrahler und Rücklicht beim E-Bike beziehen ihren Strom in der Regel aus dem Akku – deshalb sollten sie anstandslos funktionieren. Eine Fehlersuche ist nämlich aufwändig.
  4. Akku: Wurde der Akku sachgemäß gelagert und geladen? Bei längeren Standzeiten (vor allem im Winter) sollte er im Haus lagern – idealerweise bei einem Ladestand von rund 75 %.
    1. Den Akku entnehmen und die Kontakte prüfen. Sind diese sauber, frei von Schmutz und Wasser und zeigen keinerlei Anzeichen von Korrosion?
    2. Das Akkugehäuse darf auf keinen Fall Spuren von Manipulation zeigen. Dieses muss makellos sein. Akkus, die schon mal heruntergefallen sind, geöffnet oder manipuliert wurden, geraden oft in Brand.
  5. Motor: Wurden beim Service die Updates der Motorsoftware gemacht (Belege)? Wurde am Motorgehäuse manipuliert? Wurde der Motor getuned? Finger weg von Bikes mit Motortuning – egal ob dieses Tuning noch aktiv ist oder jemals war. Der Motor, wie das gesamte Bike, leidet unter den deutlich höheren Geschwindigkeiten, für die ein E-Bike nicht ausgelegt ist.
E-Bike Akku Kontakte

Beim Kauf eines gebrauchten E-Bikes sollte man vor allem den Zustand des Akkus checken.

Lieferumfang/Zubehör

  1. Schlüssel: Sind alle Schlüssel vorhanden? Lässt sich damit der Akku sauber und leichtgängig entnehmen und auch wieder sicher verriegeln. Bei E-Bikes mit Rahmenschloss sollte dieses gleichschließend mit dem Akkuschloss sein. Gibt es eine Code-Karte zum Nachbestellen von Schlüsseln?

E-Bike Qualitäts-Check in der Fachwerkstatt

Wer sich die vorgenannten Checks selbst nicht zutraut, der sollte einen erfahrenen Freund oder Bekannten mit zur Probefahrt nehmen. Denn wer regelmäßig E-Bike gefahren ist, dem fallen Unzulänglichkeiten schneller auf. Und wer auf Nummer sicher gehen will oder ein besonders teures E-Bike kaufen möchte, der sollte auf einen Qualitätscheck durch eine Fachwerkstatt bestehen. Die untersucht das E-Bike mit speziellen Analyse-Tools. Beispielsweise ist so der Zustand des Akkus (Anzahl der Ladezyklen, Kapazität) auslesbar. Diese Prüfung im Fachbetrieb kostet zwar ein wenig Zeit und Geld, ist aber auch für den Verkäufer von Vorteil. Denn solch ein E-Bike Qualitäts-Check erhöht dessen Verkaufschancen und damit auch den erzielbaren Verkaufspreis.

E-Bike Check

Fachwerkstätten führen einen E-Bike Check durch. Damit geht man vor(!) dem Gebrauchtkauf auf Nummer sicher.

Checkliste E-Bike gebraucht kaufen

(Quelle und Fotos: velomotion.de)

 

1 Kommentar

  1. Edouard Antworten

    Was ist besser, auf Ebay oder beim Fahrradhändler ein gebrauchtes E-Bike zu kaufen?

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