Akku-Bohrschrauber im Test

Akku-Bohrschrauber für Profis müssen kräftig, ausdauernd und robust sein – gleichzeitig aber auch klein und leicht. Im Praxistest zeigten acht kompakte 18-Volt-Geräte ihre Stärken.

Ich spanne eine 17er Nuss ins Bohrfutter, stelle den Gangschalter auf „1“, wähle die höchste Drehmomentstufe, setze den Akku-Bohrschrauber auf die riesige 180er Sechskantschraube und warte auf das Kommando. „Kamera läuft!“

Ich drücke den Schalter. Langsam setzt sich die Schraube in Bewegung. Sie greift. Dann schon bald ein lautes mechanisches Geräusch. „Krrrrrrrr!“ Das ist die Rutschkupplung. Das Gerät signalisiert: „Hier ist Schluss!“.

„Ist doch klar“, sagt Kevin, der zufällig zu Besuch in der Redaktion ist. „Der Schraub-Modus ist was für kleine Schräubchen. Nimm den Bohr-Modus, Full Power. So arbeiten wir draußen, auf den Baustellen.“ Als Dachdeckermeister ist Kevin Spezialist für große Schrauben. Er muss es wissen.

Ich mache es also auf seine Art: Zweiter Gang, Maschine auf Bohrstellung … Automatisch packen meine Hände fester zu. Die Sorge vor einem ausgekugelten Schultergelenk wächst. Ein Zusatzhandgriff wäre jetzt nicht schlecht, denke ich. Los geht’s. Die Maschine zerrt an meinem Arm. Als wollte sie ihn rausreißen. Unerbittlich fressen sich 180 Millimeter Stahl ins trockene Holz. Der IKEA-Tisch wackelt wie ein Lämmerschwanz. Nächstes Mal nehmen wir eine Hobelbank. Gut, dass die riesigen Bessey-Schraubzwingen den Balken sicher festhalten. Die Schraube ist drin. Der Arm noch dran. „Na also“, sagt Kevin. „Geht doch.“

Drehmomentvoreinstellung

Nicht alle acht Akku-Bohrschrauber schaffen es, die 180er Schraube komplett einzudrehen. Das hat auch kein Mensch erwartet. Denn in der Praxis würde man vorbohren und einen Drehmomentvorsatz verwenden. Doch immerhin zeigt der Versuch, dass sich die Geräte – bevor sie Schaden nehmen – automatisch abschalten. Alle, bis auf eines, das kleine Rauchwölkchen ausstößt. Doch selbst dieses funktioniert im Anschluss weiterhin einwandfrei.

Für gängige Schraub- und Bohranwendungen reicht die Leistung der 18-Volt-Geräte mehr als aus. Sie haben Drehmoment satt: Mindestens 20 Newtonmeter (Nm) bei weichem Schraubfall (Holz) und bis zu 90 Nm bei hartem (Metall).

Eine Drehmomentvoreinstellung sorgt im Schraubmodus für gleichmäßige Einschraubtiefen. Das verhindert das Abreißen von Schraubenköpfen. Bei vielen Montagearbeiten, beispielsweise bei Metallkonstruktionen, ist ein bestimmtes Drehmoment vorgeschrieben. Dass diese Voreinstellung unterschiedlich sensibel anspricht zeigt der nächste Test.

Sensibilitätstest

Wir schrauben Gipskartonplatten auf Fichtenholzbalken. Das soll zeigen, wie fein die Drehmomentstufen abgestimmt sind. Üblich sind um die 20 Stufen plus Bohrmodus. Bei mittlerer Stellung (Stufe 8 bis 11) erzielen wir mit den meisten Geräten bei Gipskarton die besten Ergebnisse. Der Schraubenkopf der Schnellbauschrauben ist ordnungsgemäß – nämlich flächenbündig – versenkt, ohne den Karton zerstört zu haben.

Die Akku-Bohrschrauber können in dieser Disziplin mit speziellen Schnell- oder Trockenbau-Schraubern nicht mithalten. Wer sie für die Gipskartonplattenmontage verwenden möchte, sollte einen Tiefenanschlag einsetzen. Nur damit lassen sich die Platten technisch korrekt in angemessener Zeit verarbeiten.

Zwei Schrauber weichen hier übrigens von der Norm ab. Der Akku-Bohrschrauber von Mafell hat nur 11 Drehmomentstufen. Für die Schnellbauschrauben ist bei ihm Stufe 2 schon mehr als ausreichend. Bei der Entwicklung hatte man offenbar die Anforderungen von Zimmerleuten und Dachdeckern im Blick – mit ihren größeren Schrauben.

Auch ein anderer Testkandidat überrascht in dieser Disziplin: Der Akku-Bohrschrauber von Milwaukee. Er kann zwar mit 18 Drehmomentstufen aufwarten. Doch schon bei Stufe 1 versenkt er die Schnellbauschraube gnadenlos im Gipskarton. Hier ist die Feinabstimmung etwas grob geraten.

Ein gutes Beispiel liefert der Akku-Bohrschrauber von Festool. Sein Drehmoment von maximal 35 Nm im weichen Schraubfall ist über das 25-stufige Wählrad im ersten Gang auf 0,8 bis 8,0 Nm eingegrenzt. Damit sind äußerst filigrane Schraubarbeiten möglich. Möbelbauer werden es lieben.

2-Ganggetriebe ist die Regel

Sieben der acht getesteten Geräte sind mit einem 2-Ganggetriebe ausgestattet: der erste Gang mit bis zu 600 U/min ist für das Bohren in Metall gedacht. Auch um großformatige Löcher in Holz zu bohren, wählt man eher niedrige Drehzahlen. Der zweite Gang mit rund 1.600 U/min ist hingegen für das schnelle Schrauben oder für das Bohren kleinerer Löcher in Holz ideal.

Eine Ausnahme, was die Anzahl der Gänge betrifft, ist der Akku-Bohrschrauber von Fein. Vier Gänge mit einer Abstufung von 400, 700, 1.400 und 2.500 erhöhen entsprechend seine Einsatzmöglichkeiten. Vor allem die niedrige Drehzahlstufe erleichtert die Metallbearbeitung, beim Bohren oder Gewindeschneiden.

Ausstattung

Alle getesteten Akku-Bohrschrauber sind mit Rechts-/Linkslauf ausgestattet. Die Umschaltung erfolgt bei allen Geräten mittels Durchsteck-Schalter. Bei mittlerer Stellung blockiert der Ein-Aus-Schalter.

Jedes Gerät wird mit Schnellspannbohrfutter ausgeliefert. Der Bohrfutterspannbereich reicht von 1,5 bis 13,0 Millimeter (Metabo 1,0 bis 10,0 mm). Der Werkzeugwechsel ist grundsätzlich werkzeugfrei möglich. Bei Fein, Festool, Flex, Metabo und Mafell lässt sich das Bohrfutter abnehmen. Dann kann man beim Schrauben einen wesentlich kleineren und leichteren Bithalter verwenden. In Ausnahmefällen lässt sich der Bit auch direkt in die Bohrspindel einstecken. Das reduziert die Länge und das Gewicht nochmal deutlich.

Die Drehzahlregulierung erfolgt bei allen Testgeräten über den Hauptschalter. Das funktioniert stufenlos von Null bis zur maximalen Drehzahl. Beim Betätigen des Schalters schaltet sich eine LED-Leuchte ein. Deren Nachleuchtzeit fällt unterschiedlich lang aus. Sie wurde von uns in allen Fällen als ausreichend erachtet.

Lieferumfang

Alle Akku-Bohrschrauber werden in einem Transportkoffer mit Akku, Ersatzakku und Ladegerät ausgeliefert. Festool und Mafell nutzen hierfür die neuen Systainer von Tanos, erkennbar am runden, mittigen Verschluss. Makita setzt auf das Vorgängermodell. Beide sind kompatibel und lassen sich kombinieren. Ebenso wie die beiden Varianten der L-Boxx von Sortimo, die Bosch und Flex als Aufbewahrungssystem nutzen. Eigene Wege gehen Fein, Metabo und Milwaukee. Schade eigentlich. In vielen Lieferwagen und Werkstätten sähe es aufgeräumter aus, wenn sich auch diese Hersteller auf eines der beiden erwähnten Systeme einigen könnten.

Zum Lieferumfang gehört grundsätzlich ein Gürtelhaken. Der Handwerker muss diesen jedoch erst noch montieren. Das macht Sinn, da sowohl Links- als auch Rechtshänder die Haken verwenden möchten.

Was wir beim Praxistest am meisten vermisst haben, sind Zusatzhandgriffe. Mafell und Flex bilden hier die rühmliche Ausnahme. Bei der hohen Leistung moderner 18-Volt-Geräte gehören diese, unserer Meinung nach, einfach dazu.

In jedem Koffer enthalten sind Gebrauchsanweisung und Sicherheitshinweise. Der Umfang schwankt dabei von üppigen 32 Seiten bei Festool bis zu 14 Seiten bei Makita und Metabo. Getreu dem Motto „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ setzen viele Hersteller mittlerweile auf Zeichnungen und Illustrationen. So schafft man auf wenigen Seiten eine Anleitung, die gute Chancen hat, auch wirklich gelesen – und verstanden – zu werden.

Testergebnisse im Überblick

Eine Tabelle mit allen Testergebnissen im Überblick gibt es hier.

2 Kommentare

  1. Ulrich Florian Antworten

    Man könnte noch erwähnen, daß der Antrieb des Bohrfutters bei Fein, aber vermutlich auch bei Flex sowie bei den Schraubern mit abnehbarem Bohrfutter von Kress und AEG, über die Außenseite der Spindel erfolgt und somit ein kurzes Bit in der Bitaufnahme der Spindel bei aufgesetztem Bohrfutter verbleiben kann. Das ist sehr hilfreich bei Arbeiten, bei denen man vorbohren und anschließend gleich schrauben muß.

    Mit freundlichem Gruß

    U. Florian

  2. Modell-Heimwerker-Flieger Antworten

    Was wollt ihr eigentlich alle mit 18 Volt?
    Höhere Spannung bedeutet es müssen mehr Lithiumzellen hintereinandergeschaltet werden. Das erhöht die Ausfallwahrscheinlichkeit des Akkupacks weil es ja mehr Zellen pro Akkupack gibt. Heutige Drehzahlregler und Lithium-Ionen-Akkus können EXTREM hohe Ströme ab ohne schaden zu nehmen.
    Im Modellflugbereich gibt es da Akkus aus denen man bei einer Kapazität von 3000 mAh 120! Ampere rausholen kann! So viel zieht ein Akkuschrauber niemals.
    Ich bevorzuge 12V-Akkuschrauber

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